Wenn die Wahrheit nur aus Lügen besteht

Seit geraumer Zeit bemühen sich Großmedienkonzerne, Daten zum Leserverhalten zu bekommen, die aus den Sozialmedien und Portalen stammen, um ihre Produkte besser zu verkaufen. Jedoch anstatt einer besseren Berichterstattung bekommt der Leser nur den Anschein der Information, die keiner lesen muss. Klicken und Anschauen reicht aus!

Ich lese sehr viele Bücher, Zeitungen, Manuskripte und dazu kommen die zahlreichen Videos, die meinen Informationsbedarf sättigen. Ein Teil meiner Arbeit besteht nun mal darin, historische Recherchen anzustellen und über die Ergebnisse zu berichten. Vor allem seit im Internet jede(r) zweite von sich behauptet, ein(e) Wissenschaftler(in) zu sein, sind Aufträge für die Überprüfungen von Texten stark angestiegen.

Mit der Entwicklung von Tablets und der neuen Art der Berichterstattung in Sozialmedien (und des neuen Webdesigns) sind einige negative Tendenzen an der Qualität der Berichterstattungen zu beobachten. Zahlreiche oberflächliche Recherchen sind in allen durchschnittlichen Zeitungen zu sehen und führen zu langweiligen Wiederholungen anderer Pressemitteilungen, die keiner lesen muss. Diese Pressemitteilungen basieren nicht selten auf schlecht übersetzten Berichten aus amerikanischen Medien oder in manchen Fällen aus anderen Ländern. Da unsere amerikanischen Freunde es nicht so genau mit dem Urheberrecht nehmen, sind deren Beiträge auch nur Kopien von Kopien. Diese absolut unübersichtliche Kette vom Hörensagen ist auch verantwortlich für falsche Meldungen wie vom Tod des Nikolas Cage oder Matt Damon (die natürlich bei bester Gesundheit sind) oder auch der Zweifel am Tod von Prince.

Eine weitere negative Entwicklung in der Pressewelt ist, dass die Pressemitteilungen derzeit nur aus einem provokativen Titel und einem belanglosen Aufruf zu weiteren Details im Artikel bestehen, der weniger als zweihundert Zeichen umfasst. Der Artikel selbst ist meistens ein Ausschnitt aus einem Video oder ein nichtssagendes Foto, versehen mit zwei Sätzen, die größtenteils aus Zitaten bestehen. Folglich wird der Leser zwar aktiver beim Blättern der Artikel, aber der gewonnene Informationsgehalt sinkt weit tiefer als früher, als man nur die Schlagzeilen im Zeitungskasten an der Bushaltestelle gelesen hat.

In einer Kritik an einer Zeitung gab ich an, dass ich einer beschrifteten Serviette in einem griechischen Restaurant mehr Informationen entnehmen könnte, als sie der Zeitungsbericht lieferte. Eine Antwort auf diese Kritik bekam ich nie. Im modernen Kundensupport ist das Beantworten von E-Mails scheinbar nicht mehr enthalten.

Auch das Thema Lügenpresse beschäftigte mich und ich stellte mir manchmal die Frage, über welchen Teil in einem so übersichtlichen Inhalt könnte eine Wahrheit berichten. Ich behaupte nicht, dass die Presse lügt, aber die Berichte sind oft inhaltlich dürftig.

Wenige Leser machen sich Gedanken über die Gründe, warum namhafte Medienunternehmen mit einer so minderwertigen Strategie eine Zeitung oder einen Blog betreiben, aber viele Blogger wie ich müssen sich überlegen, warum und wie.

Die großen Medien profitieren von der Einschaltquote von Anzeigen pro Artikelseite. Manche Zeitungen haben pro Artikel circa zwölf Anzeigen. Pro Anzeige können sie durchschnittlich 0,03 € verdienen. Das bedeutet, bei jeden Aufruf klingelt die Kasse mit fast 0,36 €. Bei tausend Aufrufen pro Minute fängt das Ganze an, ziemlich profitabel zu werden. Jedoch nicht für den Leser!

Werbeblocker werden bereits von vielen Nutzern eingesetzt. Gemäß Statistiken aus dem Jahr 2015 waren die Griechen die Spitzenreiter beim Einsatz von Werbeblockern: 38 % aller Browser haben eine solche Software installiert. In Deutschland sind von den Internetlesern, die Werbeblocker einsetzen, 60 % männlich. Gemäß Statistiken von Firefox© verfügen über 20 Millionen der Anwender einen Werbeblocker auf ihrem Browsersystem. Trotzdem ist es weiterhin für die Medien interessant, Leser mit billigem Material zu locken.

Durch die Analyse der Daten und des Nutzerverhaltens können uns dann die großen Medien ganztägig beschäftigen. Um die Beschäftigung der Leser noch profitabler für diese Zeitungen zu gestalten, eröffnen sie Gruppen, die den Anschein erwecken, privaten Betreiber zu gehören. Die Betreiber moderieren ebenfalls selber Diskussionen in der Zeitung und sie selbst oder ein Kollege übernehmen die Aufgabe der Gegenmeinung. Mit dieser Strategie werden die Leser indirekt motiviert, ihren privaten Freundeskreis in das Thema einzubinden. So gewinnen solche Medien Leser. Eine kurze Analyse des Pro und Contra in der Diskussion dient als Basis für noch mehr oder noch wirkungsvollere Titel und neugierig machendes Material.

Mit Kätzchenbildern angefangen über Hundefotos mit Liebessprüchen (es läuft derzeit die große Kampagne #dogfacts), Schockfotos aus China über sinnlose Jesusbilder bis hin zu Allah-Sprüchen fischen solche Medienagenturen mit allen möglichen Köder in einem Meer anspruchsloser Leser. Alle diese Bilder, die als Link geteilt wurden, führen am Ende der Kette zu einem Unternehmen in Kolumbien, Russland, China oder zu einem anderen naiven Auftraggeber, der sich auf einen unvorsichtigen Leser freut. Diese Sozialplattformen informieren sich über Trends und Leserverhalten. Länder wie die Türkei, Brasilien und Russland haben bereits diese Informationen effektiv in politischen Kampagnen angewendet. Auch die Gestaltung von politischen Programmen kann schnell eine große Popularität erreichen. Leider wird auch in Deutschland diese Erkenntnis dank der finanziellen Unterstützung Russlands von der Propaganda mancher Parteien mit zweifelhaften Ruf genutzt.

Was früher der Information und Instruktion der Leser diente, ist heute nur noch Werbung oder Manipulation. Der Leser wird dann vor die Alternative gestellt, sich an dieser Art der Berieselung satt zu sehen oder aber selektiver nach seiner Information zu suchen. Welche fatalen Konsequenzen diese Art der Verdummung der Leser mit sich bringt, kann nur vermutet werden.

Dagegen sind keine Gesetze möglich und an den Anstand und die Moral der Journalisten in diesem Szenario kann nicht appelliert werden.

Blogs können diese Einschaltquoten nicht erreichen und müssen an ihrer Glaubwürdigkeit arbeiten, um mehr Lesern zu gewinnen. Diese bieten meistens Texte mit mindestens 400 Wörtern und auch einen besseren Support und Recherche an.

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