Seminare, Vorträge und die vergoldete Blamage

Vorträge gehalten. Das kann für den Lebenslauf einen schönen Eintrag sein. Doch dies gibt keine Auskunft über dem tatsächlichen Geschehen.

Die glänzende Seite der Münze

Ich wurde vor einige Tage auf einem Vortrag eingeladen. Wohlwollende Sätze beschrieben einem Bogen die von historischen Hintergründe, die über Reflexionen über den gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft in Frankreich, auf die möglichen Auswirkungen in dem deutschen System auswirkten. Ich könnte mich vor Aufregung kaum halten. Der Vortrag versprach wirklich etwas mehr als professionell, sollte meisterhaft sein.

Marketing ist gut, doch wenn die Erwartungen zu hoch für die mögliche Leistung sind, sollte man bescheidener formulieren.

Hintergründe der beide Vortragsreferenten erlaubten auch kein Zweifel an deren Fachkompetenz. Die, unter eine Hülle von Tausend Verschleierungen versteckte Organisatorin, lies die Tagesordnung und den Ablauf von einer unterwürfigen Aushilfskraft an der Gäste mitteilen. Meine Erfahrung nach, zu viel Abstand zwischen Organisator und Publikum, ist ein Zeichen von Unsicherheit, was am Ende der Veranstaltung sehr begründet sich erwies.
Mein Erlebnis, der bestimmt niemals in einem Lebenslauf beschrieben wird, möchte ich hier berichten.

Da wo der Glanz bereits verblasste.

Mit der Einladung kam ich dann in das angekündigte Lokal. Nun, da keine Sitzordnung angemerkt war, suchte ich mir einem Platz auf die linke Seite, da die meisten gut eingerichtete Vorträge auch auf die rechte Seite stattfinden sollten. Dies hat nichts mit der Leserichtung zu tun, aber mit der Botschaft auch was Neues. In viele psychologische Untersuchungen, die auch Thema in Marketing sind, lernt man, dass auf die rechte Seite (wie bei der Oscarvergabe, Microsoft und Apple Vorträge etc.) immer besser vorgetragen wird und das Publikum auch besser das Geschehen verfolgt.

Wer daran noch ein Zweifel hat, sollte in Erinnerung rufen, dass die meisten Theaterstücke auch von links nach rechts bewegt werden.

Das, etwas zu klein dimensioniertes, Zimmer schlummerte unter ein gelbes Licht und an der Wand bemalten Forellen übermittelten keine Erinnerung an Frankreich, oder gar an einem Fachvortrag, doch ich dachte, die jüngere Professionellen wurden weniger an solche Details Zeit verschwenden. Zu meinen Veranstaltungen gehören immer dazu, dass der Vortragsort etwas vom Thema in Erinnerung ruft. Sei an Tischdekor, ein Schild am Eingang oder Platzkärtchen, in meinen Veranstaltungen, sind immer einer Hilfe, um die Atmosphäre zu schaffen.

Auch Licht ist bei der Auswahl der Vortragsort ein wichtiger Faktor. Gelbe Beleuchtung ist nicht nur für Fotos schrecklich, aber auch für die Teilnehmer wirkt ein gelbes Licht schnell ermüdend. Darum Vorträge mit einer Dauer von über drei Stunden können unmöglich in ein Ambiente unter gelbes Licht geführt werden.

Als erster Gast hat man leider zu viel Zeit solche Details zu bemängeln, wofür ich fast schämen sollte.

Zehn Minuten, vor den angekündigten Veranstaltungsanfang, traten drei resoluten Herren den Raum ein. Kabelsalat und barsches Herumschubsen von Mobiliar (und mich) wurde ein Projektor installiert. Über meinem Kopf hinaus wurde es dann Licht. Die war für mich auch eine Überraschung, da ich meistens dies bereits dreißig Minuten vor der Veranstaltung organisiere. Hier sieht man den Bedarf an Platzanweisungen, da jemand weniger entgegenkommend, wäre nach dem dritten Schubser bestimmt lieber nach Hause gegangen.

Während die Neurentner sich mit der Kabelorgie betätigten und ein Bildnis von Laokoon und seine Söhne lieferten, traten weitere Gäste in das Zimmer ein. Es wurde in Kürze klar, dass mindestens zehn Plätzen fehlen wurden, als die Organisatorin mit adligen Namen und die Vortragsleitern dem Raum betraten. Einige Gäste wurden woanders verscheucht und der Linke der Söhne von Laokoon befreite sich von dem Kabel, unter Beschimpfungen, und dem jungen Herrn Doktor stellte dabei fest, dass sein Laptop sich nicht an den Projektor anschließen könnte. Erstaunlich war die Geschwindigkeit, womit die drei ältere Herren der Projektor aus dem Raum entfernten.

Ich bestätigte mit meinen Fingern, dass meine Haare noch da waren, wo ich sie hoffte und dann schlossen sich die Türen vom Vortragsraum.

Der stickigen Luft wurde, durch eine Welle der Schweiß, Parfüm und billigere Deos, verschreckt. Sogar die Forellen an der Wand schienen in meine benebelten Augen zu schwimmen.

Die bisher geheimnisvolle Gestalt der Organisatorin gab dann bekannt, dass der so wohlwollend beschriebenen Bogen, die alle Interessenten über die Geschichte von Frankreich berichten sollte, musste rückwärts in eine andere Agenda vorgetragen werden. Mir blieb fast der Luft weg. Ich dachte dabei, wie viel kann noch schief laufen, in einem so simplen Vortrag.

Lichter, Raumorganisation und Agenda waren suboptimal, dies könnte man die geheimnisvolle Organisatorin vorwerfen. Da fing der letzte Teil des Vortrages dann als Anfang.

Der Vortrag schien an einem Ziel zu Mangel. Der Vortragsleiter war bestimmt gebildet und wusste bestimmt einiges, doch wie diesem Wissen an den Interessanten gelangen solltet, schien ihn nicht bestens gelungen zu sein. Es gibt eine Regel, dass einer Leitlinie mindestens eingehalten werden solltet. Lokus-Prinzip (basiert dann auf Orte oder geografische Linien) oder Tempus-Prinzip (wo die Zeitlinie dann den Vortrag bestimmt).

Wer noch besser gliedern möchtet orientiert sich nach der Aristotelischer Einheit. Das geht auch bei Vorträgen von Software Produkten. Das machte ich viele Male.

In modernere Ansätze kann man ein Problem als Ziel definieren und die Elemente oder Ursachen die Agenda aufbauen, aber die Lösungen und Perspektiven sollten dann die zweite Hälfte des Vortrages umfassen. Ich hoffe, ich urteile nicht zu hart, aber nach zwanzig Minuten stellte ich erneutes Wiederholen von dem gleichen Satz, was mich nicht positiv gestimmt hat.

Der Vortrag fing auseinander zu driften, als zwei Kellner mit Getränken und einige Speisen den Raum unterhielten. Der vertriebenen stickigen Luft machte sich unter duftenden Schweinebraten und Speckrösti durch den Türspalt davon. Als Vegetarier musste ich mich bemühen, den Kellner, nicht nach einem Spuckbeutel zu fragen. Während einem Herrn eine Symphonie für Gabel und Schnauzer über seiner Rollbraten vorführte, bemühte ich mich wieder in den Vortrag wieder zu vertiefen.

Man bat mich um einen Bericht, über dem Vortrag und ein oder zwei Fotos. Doch Fotos unter ein solches Licht könnte man nicht bitten. Ich musste auf eine Pause warten, um mit einem Blitz die Vortragsherren und die geheimnisvolle Organisatorin zu fotografieren. In leise Schritte ging ich dann zum hinteren Teil des Raumes, während die lauten Schmatzer über die tropfenden Teller meinen Schritten überdeckten. Da meldete sich dann die Organisatorin zu Wort, in den sie der Wort blubbernde Vortrag abrupt unterbrach und in der Menge sprach, „Halt Paul, ich muss fragen, ob jeder mit Fotos hier einverstanden ist.“

Zumal ich die Dame weder kenne, noch wurden wir uns je ordnungsgemäß vorgestellt, war meinem Wunsch ihr eher eine Ohrfeige für das Verhalten zu verpassen. Man unterbricht niemals einem Vortrag wegen Nebenthemen. Die ist für die Interessenten nicht nett und für dem Vortragender auch nicht hilfreich. Vor allem, in Deutschland, spricht man niemals Jemand von oben herab an. Ich könnte mein Schock kaum verbergen und gab in der Runde bekannt, dass ich sowieso niemand fotografieren wollte und hörte den Vortrag, der sich wieder wiederholte weiter. Danach fragte ich mich, wozu ich dieser Katastrophe noch dokumentieren sollte.

Als ich bereits eine Entschuldigung für einen plötzlichen Abschied bereits in meinem Kopf formulierte hat, bezahlte ich und wollte mich den Rest dieser qualvollen Veranstaltung dann ersparen. Doch da kündigte der Vortragende bald am Ende gekommen zu sein, was mich zwang dort zu verweilen.

Man sollte niemals ein Vortrag in der Mitte oder kurz vor Ende verlassen. Dieses Verhalten demonstriert Unzufriedenheit mit dem Vortrag und sollte aus diplomatischen Gründen eher gemieden werden.

Den zweiten Teil, der eigentlich den ersten Teil war, war mir mittlerweile nicht mehr interessant und ich hoffte, nur gehen zu können. Andere Gäste, die offensichtlich, mit der Diplomatie weniger Rücksicht nahmen, verließen den Raum, während eine Dame auf ihr Handy die Tochter erzählte, dass sie bald wieder zu Hause sein würde.

Die verschiedenen Speisen wurden von den Kellnern aus dem Raum entfernt und so wollten einige noch Fragen stellen.

Über dem Vortrag Positives zu berichten wurde von mir eine bessere Organisation der Veranstalter voraussetzen und meine Fotos wären dafür wirklich unpässlich. Wie man sagt, „Wer nichts gutes zu sagen hat, schweigt“.

Falls Sie eine Veranstaltung organisieren, überlassen sie nicht alles den Zufall. Die Einladung muss die Erwartungen entsprechen und die Zeiten müssen eingehalten sein. Gerätschaft und Platzanweisungen sind unverzichtbare Voraussetzungen, die wenn Sie nicht beherrschen, sollten Sie unbedingt jemand mit Erfahrung zu Rate ziehen.

Ich hoffe, in diese etwas dramatisierten Katastrophe, ich könnte Ihnen einige Tipps geben, über, wie Sie am besten eine Veranstaltung organisieren sollten.

Schreibe einen Kommentar