Online Plattformen – Vorschriften über Vorschriften der (zerfallenden) Riesen

von Paul Riedel München – Es kann mal vorkommen, dass man bei der Überprüfung eines Kontoauszugs etwas nicht mehr zuordnen kann. Vor allem nach der stressigen Weihnachtszeit häufen sich die Rechnungen nun mal an.

So ging es Frau Jutta K. aus H. Sie versuchte in ihrer Kreditkartenabrechnung zwei Buchungen eines Versandhauses einzuordnen, konnte dies aber leider nicht klären.

Die Mitarbeiter des Kundensupports des Online-Unternehmens am Telefon (sitzen nämlich in Bratislava oder sonst wo) waren kaum eine Hilfe, trotz aller Bemühungen. So gab einer der Mitarbeiter den Rat, Frau K. möge der Buchung bei der Bank widersprechen (jedenfalls hat sie so es verstanden).

Ohne die mögliche klare Information war Frau K. auch nicht bewusst, dass sie eigentlich nicht zweimal von diesem Online-Händler gekauft hatte, sondern von zwei unterschiedlichen Händlern, die ihre Produkte beide auf der Plattform präsentieren.

Die Bank widersprach im Auftrag von Frau Jutta K. der Buchung und nun wurde die Maschinerie der Riesen in Bewegung gebracht.

Aber solche Organisationen prüfen nun nicht etwa die Anlieferung der Ware, sondern sie schreiben einen der Händler an und teilen diesem mit: „Ihrer Buchung wurde widersprochen“. Dieser Text gilt eigentlich, wenn ein Kunde nach mehreren Versuchen keine Lieferung bekommen hat. Hier bieten die meisten Plattformen eine Garantie, wie auch Amazon eine A-bis-Z-Garantie, die meistens gut für den Käufer funktioniert. Für den Händler wird dies leider meistens zum Albtraum, aber das steht auf einem anderen Blatt. In diesen Fall meldete der Händler sich im obigen Fall dann umgehend bei der Kundin und versicherte, dass die Ware ausgeliefert worden war.

Bei einem direkten Kontakt mit dem Händler hätte Frau K. auch verstehen können, was sie gekauft hatte und was ihr von der Kreditkarte abgebucht worden war. Nun musste noch die andere Abbuchung geklärt werden. Diese Situation lässt sich gut vermeiden, wenn man sich im Voraus (auch über den Kundendienst solcher Plattformen) erklären lässt, wer der eigentliche Verkäufer ist. Meistens findet man Telefonnummer, Name und sogar Anschrift der Händler auf der Seite Informationen zum Verkäufer.

In diesem Fall wurde am 13.01.2014 durch den Händler die Lage geklärt. Auch Frau K. sprach mit dem Haus und bestätigte telefonisch die Angaben des Händlers. Nun, was macht man hier aber mit den Bankspesen? Das ist ein nicht unwesentlicher Posten, den man sich gut überlegen sollte, bevor man Buchungen widerspricht.

Das hier sieht trivial und fast zu banal aus, um es zu berichten. Ist es aber keineswegs.

Der Riese hat mehrere Seiten AGBs und Vorschriften, die man sich kaum durchlesen, geschweige denn alles  verstehen kann. Er behält sich durch die AGBs vor, das Geld vom Händler eigenmächtig einzuziehen. Die Tatsache, dass der Händler zur Klärung eventuell Anwälte einschalten muss und der Kundin sogar eine Anzeige wegen versuchten Betrugs droht, interessiert nicht. Das Unternehmen sitzt in Luxemburg, Bratislava und allerorts, nur nicht in Deutschland, was auch für die Klärung solcher rechtlichen Probleme eine besondere Konstellation darstellt. Auch der Versuch, hier einen Anwalt für Inkassoaufgaben einzuschalten, scheint in solchen Fällen für den Händler aussichtslos, da ein Anwalt ca. 470 € an Gebühren verlangen würde, nur um einem Brief aufzusetzen. Was bei einem Einkauf in Höhe von (wie hier der Fall ) 59 € sich kaum lohnen würde. Einen solchen Fall vor Gericht zu bringen, wird auch nicht gehen, weil er als Bagatellfall bewertet wird, und so schaut der Händler wieder ins Leere.

Ähnliche Fälle auch von anderen Plattformen wurden der Redaktion in den letzten 24 Monaten gemeldet. Frau Christine  C. war eine deutsche Händlerin. Sie verkaufte über eine solche Plattform über sechs Jahre und erlebte im Jahr 2012 ein Schreckensszenario. Trotz aller Erklärungen und stundenlanger Telefonate blieb der Dame damals nichts anderes übrig, als über 120 Tage auf einen fünfstelligen Betrag zu warten.

Billiger einkaufen ist nicht mehr ein Synonym für klüger einkaufen, sondern ist mehr als problematisch geworden.

Wenn man als Händler nicht mehr die Sicherheit hat, sein Geld zu bekommen, und als Kunde trotz Bezahlung Gefahr läuft, dass man einen Prozess im eigenen Land bestreiten muss, dann ist die Zeit gekommen, beim Einkaufen umzudenken.

Ich empfehle, immer direkt zum Händler zu gehen und sich zu versichern, dass der Händler seinen Sitz im Land hat. Billiger kann gefährlich werden! Egal, ob man über eine Plattform oder ein Zahlungssystem bezahlt, der direkte Kontakt hilft Probleme zu vermeiden.

Für Händler sollte dieser Bericht auch eine Warnung sein, da sie sich überschlagen, ihre Ware bei Vergleichsplattformen billiger anzubieten als die Mitbewerber, und die Augen vor solchen Problemen schließen, in der Hoffnung, davon nie betroffen zu werden.

Über die Preisschlachten wird bald berichtet. Bleiben Sie eingeschaltet

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