Meine Pflege-Oma sagte, ich bin einen sauberen Neger

meinen Lesern kennen bestimmt aus meinen früheren Erzählungen, dass ich in meinen ersten neun Lebensjahren in eine schwarze Familie in Brasilien lebte. Egal, was meine Augen am Spiegel sahen, wusste ich, dass ich Mitglied in eine schwarze Familie war. Meine Pflege-Oma hieß Vitalina. Der Name wurde ihr, von Portugieser die in Brasilien lebten, und Sklaven aus Angola kauften, gegeben. Sie starb im Alter von sechsundneunzig Jahren im Jahr 1969.

Ich lernte von ihr, dass wenn ich ein guter Mensch sein sollte, musste ich einen sauberen Neger sein. Auf Portugiesisch sagte man, Nego Limpo.

Dies bezog sich jedoch nicht auf die Hautfarbe, oder nur um die Sauberkeit, sondern um das Verhalten in der Gesellschaft. Ich wuchs dann in der Vorstellung, dass weiße Menschen mich immer besonders prüfen wurden, daher war mein Verhalten stets penibel und ich achte bis heute auf was ich tue, und erlaube mir wenige Fehltritte. Diese sind Werte, die viele schwarzen Bürger pflegen und deren Kindern weitergeben.

Als ich nach Bayern vor zweiunddreißig Jahren kam, wurde ich durch Fremdfeindlichkeit weiter von weiße Bürger besonders geprüft und mehrfach, sogar wenn grundlos, kritisiert. Man sah nicht mein schwarzes Wesen, aber noch war ich Brasilianer.

Doch was ist so schlimm, wenn ein älterer Herr heute sagt „Ein guter Niger“?

Sind die Kritiken an den Politiker wirklich Sorgen um den Stolz von Personen mit schwarzer Haut, oder nur das eigene Interesse, jemand von einem Posten zu stoßen, damit den eigenen Weg frei wird?

Ich glaube kaum, dass ein schwarzer Mitmensch, diese eher unbeholfen, aber kaum als bösartig zu bezeichnenden Ausdruck irritiert. Roberto Blanco selbst lachte nur darüber.

Wir, Schwarzen, Ausländern, Schwulen und Andersartigen, werden immer Ausgrenzungen erfahren. Weil wir einfach sind, was wir sind. Ob man uns Neger nennt, oder Lieber Freund, unsere Ohren mögen geschont bleiben, aber unser Herz weiß es besser.

Was ist dann verachtenswerter? Rassismus oder Opportunismus?

Egal welche der beide Gründe, die Sünde liegt nicht an das, was man sagt, da darin kann jeder die Wahrheit erkennen, aber da wo nur gedacht wird und man nicht vermuten kann, welche Wahrheit dahinter steckt, dort ja, liegt für die manipulierbare Masse der größten Gefahr.

Ob der Rassismus in ein Adjektiv ausgedruckt wird, oder in einen Gedanken oder unbedachtes Verhalten, ist nicht zu messen. Nur derjenige selbst kann dieses Problem lösen. Darum zitiere ich den Schauspieler und Autor Noel Coward „Die Kritik an anderen hat noch keinem die eigene Leistung erspart.“.

Deutsche leben sehr verspannt und legen jedes Wort auf eine imaginäre goldene Waage und zeigen sich gegenseitig mit dem Finger. Was die Gesellschaft nicht besonders attraktiv macht. Bei allen diesen Gedanken überlegte ich mir, ob in unsere Willkommenskultur, nicht angebrachter wäre, alte schlechte Gewohnheiten endlich abzulegen, anstatt diese weiterzureichen.

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