Gute Konzepte als Basis für den Niedergang des Journalismus

Globalisierung, Kommunismus, Königreiche und internationaler Handel. In jeder Idee liegt ein Quäntchen Gutes und Fortschritt für die Gesellschaft, jedoch die Gier und der Machtmissbrauch von einigen reicht, um die beste Idee in eine wuchernde Krankheit für unser Sozialsystem entarten zu lassen. Seit einigen Jahren verliert der Journalismus an Qualität und an sinnvollen Inhalten. Diese gefährliche Entwicklung kann uns mehr kosten, als uns lieb sein kann.

In den letzten Jahren verfolgte ich als kritischer Leser die Presse im Internet und bemerkte, dass ich heutzutage mindestens vierzehnmal mehr Informationen pro Woche bekomme, als ich früher (sagen wir vor 15 Jahren) insgesamt in der gleichen Zeit zu lesen bekam. Dies brachte mich zu der Überlegung, ob ich die Information auch vierzehn Mal besser nutze? Wenn ich „kritischer Leser“ schreibe, heißt das, dass ich sogar sehr sorgfältig prüfe, was ich lese.

Wenn man die Informationen gründlich untersucht, wird man feststellen, dass häufig die Information leider nur wiederholt wird, was man „aufgewärmt“ nennt. Nur eine einzige Quelle liefert die Grundinformationen. Dies ergab sich bei den Medien aus Kostengründen. Sieht man heute die Nachrichten im Fernsehen, wird man das bestätigen. Gleiche Videos, gleiche Texte, nur der Moderator ist pro Sender (noch) ein anderer. Man beachte, dass ich hier von Männern wie Frauen spreche, lediglich am  unnötigen „Innen“ am Ende der Wörter spare, das mir persönlich zu dekadent vorkommt.

Die Vielfalt an Fragen, die unterschiedliche Perspektive der Betrachtung ist weg. Jetzt haben wir nur eine Perspektive, die mehrfach interpretiert oder geschmückt wird mit dem Zusatz „Experte“ für dieses und jenes. Ich staune sehr darüber, wie solche Titel verteilt werden. Vor allem, welche Titel es gibt, wie Flirt-Portal-Expertin, Kurden-Experten, Mars-Experten oder Barbie-Experten. Da kommt einem die Frage in den Sinn, wo und wie solche Titel wohl vergeben werden. Wenn man bemerkt, dass solche Titel ebenso hohl sind wie die zugrundeliegenden Aussagen, kommt man zum Schluss, dass der Leser sich alles gefallen lässt, da er unkritisch alles liest, was er nicht bezahlen muss.

Wenn man die Artikel liest, sieht man, dass nachdem sie aus einer Quelle hervorgegangen sind, die Informationen in verschiedenen Versionen um eine künstlerische Beigabe ergänzt, zugeschnitten oder übersetzt werden. Was man am Ende in den Medien zu sehen bekommt, ist ein Salat aus Missverständnissen, Fehlinterpretationen und unausgegorenen eigenen Ansichten, der nicht zur Information beiträgt, sondern für eine Menge Verwirrung sorgt. Betrachtet man die brasilianische Pseudo-Presse als Beispiel, wird man ungeduldig. Videoberichte aus der Schweiz werden mit falschen Untertiteln versehen, um bestimmte politische Ansichten zu verbreiten.

Mit der Entstehung der Blogs sollten eigentlich mehr Informationen und vor allem persönliche Sichtweisen verbreitet werden und damit für eine bessere Informationsbasis gesorgt werden, aber wurde das jemals erreicht?

Die Sozialen Medien wie Google+, Facebook, etc.  bieten eine Unmenge von Gebetstexten, Haustierfilmen und Horrorszenarien von Tieren, Misshandlungen und Selbstdarstellungen an, die man der Welt besser ersparen sollte. Daraus eine brauchbare Information herauszufiltern, ist zum Teil eine zu große Arbeit. Ziel ist es nicht mehr, den Leser zu informieren, sondern Klicks zu ergattern.

Auch das Design dieser Plattformen verleitet den Nutzer dazu, mehr Informationen zu sammeln, als er verarbeiten kann. Zum Beispiel kann der Leser mit einem einzigen Klick der Welt mitteilen, was ihm oder ihr besonders gefällt, um jedoch die gleiche Information zu verbergen oder als nutzlos zu klassifizieren, benötigt man mindestens drei Klicks. Der Mensch ist immer noch ein sparsames Tier. Wir rechnen immer aus, was uns weniger Arbeit macht, und wägen ab, ob sich der Aufwand lohnt. So wächst der mediale Müllberg im Internet in die Höhe, da sich keiner die Arbeit machen möchte, den Dreck wegzuräumen.

Vor einigen Monaten schrieb ich einen Blog (in Auftrag)  zum Thema Männer und Liebe aus einem psychotherapeutischen Blickwinkel. Für meine Recherche suchte ich Quellen mit geprüfter Informationsqualität oder Therapeuten, die etwas zum Thema beitragen konnten. Dabei gab ich Fachbegriffe ein und suchte nach geeigneten Materialien. Da die meisten solcher Artikel nur eine Spur von Inhalt besitzen, bleibt zu hoffen, dass mitteilsame Leser viele Kommentare schreiben, damit die Suchbegriffe gefunden werden und es mehr Gründe gibt, solche Medien zu lesen.

Mir wurde bald klar, dass fast jeder Begriff in der Suche (egal ob Google oder andere Suchmaschine) in einen Zusammenhang mit dem Verkauf von verschiedenen Produkten, Abonnements, Reisen oder sogar esoterischen Dienstleistungen gestellt wird. Bei der Auswertung der Recherche fiel mir auf, dass obwohl die esoterischen Treffer aus der Menge herausragten, die ersten präsentierten Ergebnisse zu Portalen führten, wo irgendetwas verkauft wurde und folglich mehr Umsatz gemacht wird. Als erstes der Portale war Amazon zu finden. Dies hat sich in den letzten drei Monate auch stark verändert.

Vor nicht langer Zeit entschieden Richter in Deutschland, dass ein amerikanisches App-Unternehmen nicht in Konkurrenz zu Taxifahrern treten darf. Bisher kümmert es aber niemanden, dass unsere Medien ständig an Qualität verlieren und Journalisten bald keine Arbeit mehr finden werden, da Blogs versuchen, mit der Verteilung von Informationen Werbeeinnahmen zu erzielen.

Meiner Erfahrung nach ist das enorme zahlenmäßige Anwachsen der Blogs und Pseudo-Medien zu groß für die Abnehmermenge. Daraus ergibt sich, dass es neue Medien schwer haben, sich durchzusetzen und qualitativ gute Berichte kaum bezahlbar sind, da die Masse nichts dafür bezahlen möchte. Folglich werden wir mittelfristig zu schlecht ausgebildeten Lesern werden und unsere Gesellschaft starke Defizite in der Bildung erleiden.

Die Entwicklung von FOCUS-Online ist von beachtlicher Dekadenz. Da, wo man vormals über weltbewegende Entscheidungen gelesen hat, sieht man heute die neuen Outfits von Puppen mit skurrilen Namen wie Tangarella oder Bratcholla (ich entschuldige mich bei meinen italienischen Cousins).

Ich bin zwar kein Freund von harten Ausdrücken, aber die mangelnde Bildung, gepaart mit schlechten Medien und esoterischen Theorien (hier zähle ich auch die Fantasy-Spiele dazu), kann eine Generation schaffen, die den Begriff „Dummes Volk“ verdient hat.

Verbieten kann und darf eine Regierung diese Entwicklung nicht, aber der Leser sollte endlich aufwachen und besser filtern, was gelesen und geklickt wird. Hoffentlich bemerkt die Gruppe der Journalisten diese Gefahr und findet eine Lösung für die sich abzeichnende Kulturdekadenz.

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