(A)Soziale Netze – Spucken und Beißen für Anfänger

Erziehung war einmal der entscheidende Faktor, um den gesellschaftlichen und auch geschäftlichen Erfolg eines Menschen vorauszusehen. Doch diese kann derzeit nur bewertet werden, wenn Menschen sich persönlich unterhalten. Aber was geschieht, wenn der Gegenüber nur ein Bildschirm ist?

Seit Anfang 2013 schreibe ich absichtlich Antworten auf Medienartikel mit etwas kontroversem Inhalt. Meine Themen sind Frauenrecht, Religion, Gewalt gegen Homosexuelle oder zum Beispiel Erziehung und Familienplanung. Meine Kommentare sind in den Sozialmedien vorhanden und ich erreichte mehr als vierhundert Einträge in dieser Zeit.

Die Aussagen in meinen Beiträgen stammen zum Teil von Ausstellungen, die ich besucht oder moderiert habe, aus Büchern und sogar von kopierten Texten von anderen Beiträgen mit verändertem Geschlecht.

Eins war dabei eine auffällige Konstante, von der ich hier berichten will und die zum Teil besorgniserregend ist. Die Anzahl an Beleidigungen könnte unsere Gerichte extrem überfordern. Dummkopf, miese Schwuchtel oder die Anrede Du zählten zu den harmlosesten Verstößen gegen gutes Benehmen. Ungeachtet dessen, dass viele dieser Vergehen rechtlich strafbar sind, kommt die Grammatik dazu. Ich muss zugeben, dass meine nicht lektorierten Texte eine Menge Ausrutscher aufweisen. Jedoch wir leben in einem Deutschland mit circa 90 % Deutschen, davon sind schätzungsweise 12 % Ausländer in der zweiten Generation, mit deutschem Pass und einem Anteil von Deutschtum wie ich, der ich auch im Ausland geboren wurde.

Bei solch einer Mischung und dazu die über hundertfünfundzwanzig Dialekte erscheint mir die Definition von Grammatik wie eine wandernde Nebelwolke, die noch lange benötigen wird, um sich zu lichten. Wenn ein Leser in meinen Beiträgen keinen Widerspruch in der Aussage fand, dann widmete er seine Aufmerksamkeit und seinen Hass der Grammatik. Generell ist festzuhalten, dass weniger als ein Prozent der Diskussions­teilnehmer eine positive Rückmeldung von sich gegeben haben.

Die Sozialmedien entheben den Teilnehmer nicht der guten Sitten. Daher habe ich bei jedem bösen Kommentar den Autor der ungezügelten Botschaft ausgesperrt. Facebook bot früher die Möglichkeit, solche Mitglieder mit einem freien Text zu melden. Dies ist mittlerweile nicht mehr möglich. Die Auswahl­möglichkeiten wurden auf das Minimum gesenkt, was den Verdacht bestätigt, dass Beleidigungen extrem häufig vorkommen.

Ist das eine Eigenschaft der Deutschen?

Nein, leider ist dieses Verhalten überall zu finden. Ich leistete Beiträge auf Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Portugiesisch. Alle trafen auf irgendeinen Widerstand, wobei die Sprache als Blitzableiter für negative Kritik nur von Deutschen und Franzosen benutzt wurde. Statistisch gesehen kommen die meisten Kommentare boshafter Natur von Frauen im jüngeren Alter, während die Beleidigungen auf dem deutlich niedrigsten Niveau von Männern im Alter über fünfzig stammten.

Ein Thema, das sich dabei herauskristallisierte, ist das Mobbing. Einige Personen spezialisieren sich auf die Beseitigung von Andersdenkenden durch geschicktes Mobbing, sei es durch boshafte Kommentare oder durch Spammer, indem man gleichlautende Kommentare auf seinen Blog bekommt.

Lernen wir etwas daraus?

Kindern hätte man früher gesagt: „Mit denen darfst Du nicht spielen!“ Damit hätte man vermieden, dass das Leben des Kindes durch schlechten Umgang einen ungünstigen Einfluss erfährt. Jedoch ist dies im Zeitalter des Internets kaum möglich. Aber ich hoffe mit diesem Beitrag anzuregen, Eltern zu einem besseren Benehmen und zu mehr Überlegung in der Erziehung der Kindern der nächste Generation zu bewegen, da die aktuelle Generation kaum unerziehbar sein dürfte und die guten Absichten und Vorhaben der Sozialen Netzwerken bald ein Ende gesetzt wird.

Das Benehmen im Netz kann auf das alltägliche Leben im Büro oder zu Hause überspringen und dann, spätestens dann erfährt der Betroffene die Konsequenzen. Wie meine Anwältin einmal formulierte, es gebe kein Gesetz gegen schlechtes Benehmen, aber es gebe eine Strafe: Einsamkeit, Misserfolg und Ratlosigkeit sind direkte Folgen des Mangels an echten Sozialkontakten. Der Mensch ist ein soziales Wesen und die virtuelle Welt überfordert unsere Sinne. Krankheiten und Folgeprobleme kennen wir derzeit nicht, aber eventuell sollten wir uns bereits jetzt Gedanken darüber machen.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Sozialen Netzwerk? Schreiben Sie mich an und helfen Sie mit, einen konstruktiven Beitrag zu mehr gesundem Austausch im Netz zu leisten.

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