Eltern – sein oder nicht sein (Teil I)

von Paul RiedelReligiöse Vorgaben aller Kulturen verlangen, dass man heiraten und Kinder bekommen muss. Es wurden bei der Verfassung solcher uralten Vorschriften jedoch die Rechte der Frauen, die Rechte der Männer und der Bedarf der Welt an neue Bewohner nicht berücksichtigt. Zwanzig Jahren nach dem Kairo Council von 1994 konfrontieren wir die Ausschreitungen über sterbende Sitten mit dem Bedarf nach Fortschritt.

Bereits 1974 in der ersten Weltkonferenz der Bevölkerungen erkannte man, dass das Recht der Frauen weltweit besser beachtet werden sollte. Damals und auch in nachfolgenden Konferenzen wurde klar festgehalten, dass jeder den freien Willen haben darf und Kinder bekommen darf, jedoch die Voraussetzungen für Erziehung, Pflege und der Sozialeingliederung mitbringen sollte. Hier versprachen viele Staaten, Mittel zur Verfügung zu stellen, und fassten die zukünftige, ideale Welt in große Worte. Von den Mitteln, die viele anwenden wollten, war die Familienplanung eines der wichtigsten.

Ich selbst nahm 1978 an einer der Konferenzen in Sao Paulo teil und hörte, wie man die Weltbevölkerung und die Umwelt in Einklang bringen wollte. Als Achtzehnjähriger fühlte ich mich wie ein angehender Ritter in einem Kampf gegen die Vernichtung der Welt. Leider setzte meine IT-Karriere allen meinen Umweltvorhaben ein Ende.

Tatsache ist, von allen diesen Vorhaben von wohlernährten Politikern und Konsorten sehen wir gar nichts und das von allen Völkern bezahlte Geld für diese Konferenzen scheint mir trotz des Respekts für jene, die es ernst meinen, eine Fehlinvestition gewesen zu sein.

Um diese Ansicht zu begründen, musste ich mich selbst einige Male mit meinen Recherchen auseinandersetzen und die Informationsquellen überprüfen und ich hoffe, meine Lesern verhelfen mir zu einem positiverem Bild.

In den Schulen wird das Thema Familienplanung kaum ernst genommen. In zwölf von mir befragten Schulen gaben alle an, dass dies kein Thema für die neue Generation ist.

Betrachtet man die Strategie unserer Familienministerin Manuela Schwesig und den Nachlass von Ursula von der Leyen, versteht man, dass man Kinder ohne Voraussetzung bekommen darf. Die Voraussetzungen werden nach der Geburt nachgereicht, mehr oder weniger.

In Brasilien wird auch die gleiche Strategie angewendet. Ich erwähne Brasilien, da man die dortigen Aktionen und Entscheidungen wie ein Vergrößerungsglas für unsere Gesellschaft betrachten kann. Viele versuchen, diese Tatsache zu kleinzureden, indem sie sagen: „Was? Man kann doch nicht Brasilien mit Deutschland vergleichen!“ Doch dies kann man, und die Ergebnisse sind nicht gut!

Die meisten Kinder werden in armen Familien geboren. Die Familien mit religiösen Hintergründen beschäftigen sich nicht mit dem Thema Familienplanung, da viele die Meinung vertreten, dass Kinder von Gott kommen, und deshalb verhüten sie nicht. Das in den siebziger Jahren erkannte Problem ist, dass Armut noch mehr Armut generiert. Kinderreiche Familien können kaum ernährt werden und die Kindern wachsen meistens mit Fastfood (da diese preisgünstig ist) und mit eingeschränkten Lernmitteln auf (da, wo es kein Brot gibt, sind Bücher fehl am Platz).

In Brasilien (wo ich geboren wurde) wird die Vermehrung der Kinder in Armenvierteln von einigen Politikern sogar gefördert, da auch Wähler in Not immer noch Wähler sind. Die Präsidentin Brasiliens, Frau Dilma Roussef, setzt auch auf diese Schicht und gab dort die Bolsa Familia aus. Die Bolsa Familia ist ein Art Kindergeld für Familien ohne Einkommen. Dadurch kaufte sie sich Stimmen, aber sie ruiniert die Zukunft des Landes.

Bereits im Jahr 2012 publizierte der Jamaica Observer, dass Familienplanung und die Maßnahmen der Regierung zur Geburtskontrolle die unteren Schichten kaum erreichen. Die Regierung hatte zuvor erkannt, dass eine bessere Zukunft nur durch eine Kontrolle der Geburten und eine bessere Versorgung der Kinder zu erreichen ist.

Wenn wir das Wachstum in Brasilien betrachten, sehen wir Sao Paulo, das in den 70er Jahren eine Weltstadt mit gut laufenden Geschäften und geringerer Armut gewesen ist. Die ungehinderte Zuwanderung erzeugte jedoch nicht mehr Geld und so wuchs die Anzahl der Armen in Sao Paulo in fünfzehn Jahren um mehr als das 300-fache. Auch die Anzahl an Neugeborenen ist enorm gewachsen.

Heute zählt Sao Paulo, das damals nur sechs Millionen Einwohner hatte, fast zwanzig Millionen Einwohner. Das Bruttoinlandsprodukt sinkt von Jahr zu Jahr, wie Statistiken der IBGE (Instituto brasileiro de geografia e estatistica) belegen.

Die Verantwortung für Kinder fängt an, bevor sie schwanger werden, und erfordert vor allem im Voraus die Klärung, ob Mittel, Sicherheiten für neue Bürger existieren und ob Bedarf nach ihnen vorhanden ist. Wenn die Weltbevölkerung unkontrolliert wächst, stoßen wir an Probleme wie eine belastete Umwelt und mangelnde Nahrung (Qualitätsnahrung, andere ist immer noch da).

Der Unterschied zwischen Deutschland und Ländern wie Jamaica und Brasilien mag für viele theoretisch zu groß zu sein, aber wenn man Städte wie Sao Paulo und das alte Kingston damals und heute betrachtet, wird klar, dass wir die Gefahr eventuell übersehen, genau wie es die Bewohner dieser Städte damals auch taten.

Daher benötigen wir eine neue Politik, die auch die Umwelt und unsere planetaren Grenzen wahrnimmt und sich mit den bereits gewonnenen Erkenntnissen der Weltkonferenz von 1994 in Kairo ernsthaft beschäftigt und nicht nur schöne Reisekostenpläne erfüllt, da wir unsere Rente und unser Sozialsystem nach einer stets wachsenden Bevölkerungszahl nicht richten dürfen.

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